Alles begann im Februar 2005 als Amazon seinen Prime-Service ins Leben rief – eine Mitgliedschaft bzw. monatliches Abo, bei dem Amazon-Kunden von verschiedenen Vorteilen und Services wie dem schnellen, kostenfreien Versand von Prime-fähigen Produkten profitieren. Zum 20-jährigen Jubiläum des Unternehmens veranstaltete Amazon 2015 erstmals den Amazon Prime Day, ein zweitägiges Shopping-Event mit exklusiven Rabatten für Prime Kunden. Inzwischen hat sich der Prime Day zu einem der wichtigsten und umsatzstärksten Online-Shopping-Events der Welt entwickelt. Mit gezielten Advertising-Aktionen und maximalen Rabatten können Seller und Vendoren den Prime Day nutzen, um ihre Sichtbarkeit (Ranking) auf dem Amazon Marktplatz auch über das Event hinaus zu steigern, mehr Kundenrezensionen zu erhalten und schließlich mehr Umsatz zu generieren. Noch nicht überzeugt? Hier die Fakten:

  • Mehr als 200 Millionen Amazon-Kunden nutzen die Prime-Mitgliedschaft
  • 2021 wurden mehr als 250 Millionen Produkte während des Prime Days verkauft
  • Der Gesamtumsatz belief sich auf 11,19 Mrd. USD
  • Kunden aus 20 Ländern kauften während des Prime Day ein

Neben dem Amazon Prime Day, der Mitte des Jahres (meist im Juli) stattfindet, gehören die Cyber Week und der damit verbundene Black Friday zu den wichtigsten Shopping-Events von Amazon. Beides findet zum Ende des Jahres im November statt und hat eine zentrale Bedeutung für das Weihnachtsgeschäft der Marktplatz-Händler.

Der Amazon Prime Day für Seller und Vendoren

Das genaue Datum des Amazon Prime Day wird jedes Jahr erst kurze Zeit vorher bekannt gegeben und nach der Veröffentlichung auf allen Online- und Offline-Kanälen stark beworben. Neben einer Ankündigung auf der Website und den Social Media-Kanälen wirb Amazon auch stationär, beispielsweise mit digitalen Werbeanzeigen an Haltestellen und Litfaßsäulen, für das Event. Die hohe Aufmerksamkeit auf Kundenseite führt zu einem enormen Traffic an beiden Prime Day-Tagen, den sich Seller und Vendoren gezielt zunutze machen sollten.

Ein Vorteil liegt in der Ausrichtung des Prime Day selbst: nur Prime-Mitglieder können die Angebote und Rabatte des Prime Day nutzen und diese sind bekanntlich „Stammkunden“. Angeregt durch die Vorteile ihrer Mitgliedschaft geben Prime Kunden durchschnittlich nicht nur dreimal mehr Geld aus, sondern kaufen auch häufiger als „normale“ Amazon Kunden. Ein positives Shopping-Erlebnis während des Prime Day kann nicht nur die Reputation einer Marke oder eines Herstellers stärken, sondern auch zu Folgekäufen nach dem Event führen. Insbesondere Produkte ohne Verkaufshistorie oder auch weniger bekannte Hersteller und Marken können enorm an Vertrauen gewinnen und langfristig von dem Shopping-Event profitieren.

Prime Day 2022: So sollten sich Seller und Vendoren vorbereiten

Alle Seller und Vendoren sollten mit den Vorbereitungen auf den Prime Day schon beginnen, bevor der genaue Termin feststeht. Abhängig von der individuellen Marketingstrategie und den gesetzten Umsatzzielen ist es wichtig, über Aktionen (z.B. 2 für 1), hohe Rabatte und zeitlich befristete Angebote im Vorfeld nachzudenken, Maßnahmen entsprechend vorzubereiten und vor allem den Warenbestand aufzustocken. FBA-Verkäufer sollten darauf achten, ihre Ware rechtzeitig an die Amazon-Logistikzentren zu versenden. Produkte, die „Out-of-Stock“ gehen, tragen nicht nur zu Umsatzverlusten bei, sondern auch zu einer negativen Kundenerfahrung.

Neben einem gut bestückten Warenlager müssen auch Konkurrenzprodukte und andere Seller stets im Blick behalten werden. Der Verlust der BuyBox, wenn ein anderer Verkäufer dasselbe Produkt zu einem günstigeren Preis anbietet, führt dazu, dass alle Advertising-Kampagnen auf dieses Produkt pausiert werden und auch hier kein Umsatz mehr generiert werden kann. Es ist also empfehlenswert, vor allem während des Prime Days regelmäßig und sehr genau die Daten der Seller bzw. Vendor Central auszuwerten. Darüber hinaus spielt auch die Optimierung der Produktdetailseiten und der eigenen Listings (Retail-Readiness) eine zentrale Rolle. Insbesondere die Bestseller sollten gut auf den Amazon Prime Day vorbereitet werden, denn sie sind am gewinnbringendsten. Auf den Detailseiten sollten sie hinsichtlich Titel, Bilder/Videos und Beschreibungen, Bullet Points, Backend-Keywords und allen anderen Aspekten wie A+ Content oder Brand Store bestmöglich vorbereitet werden.

Tipps für Seller und Vendoren

  1. PPC-Kampagnen rechtzeitig anlegen, damit diese freigegeben und zum Prime Day ausgespielt werden können
  2. Rabatte und zeitlich begrenzte Angebote planen
  3. Keywords und ASIN-Berichte nach dem Amazon Prime Day archivieren und gezielt für den nächsten Prime Day nutzen
  4. Daten aus den vergangenen Prime Days heranziehen, um laufende Kampagnen bestmöglich zu optimieren
  5. Warenbestand, BuyBox und Retail-Readiness prüfen und ggf. optimieren – sowohl vor als auch während des Prime Day
  6. Um die Ausspielungswahrscheinlichkeit auf Mitbewerberproduktseiten zu erhöhen, sollten Budgets für rentable Auto-Kampagnen erhöht werden
  7. Mehr Budget und höhere Gebote für Bestseller mit guten ACoS-Werten einkalkulieren
  8. Budget für Retargeting-Maßnahmen über Programmatic Advertising (DSP-Kampagnen) einplanen

Die drei Phasen des Amazon Prime Day

Der Amazon Prime Day findet über die Dauer von zwei Tagen statt. Verkäufer sollten das Event aber in drei längeren Zeitabschnitten betrachten:

1. Prime Day Lead-In-Phase

Nicht nur Verkäufer, sondern auch die Kunden bereiten sich auf den Amazon Prime Day vor, indem sie vorab gezielt nach Produkten schauen, immer wieder auf den Marktplatz zurückkehren, um Ankündigungen nicht zu verpassen und/oder bereits bestellte Ware erneut mit Prime Rabatten kaufen möchten. Der „Kampf um Aufmerksamkeit“ ist an Tagen wie dem Prime Day nicht leicht zu gewinnen. Verkäufer bemerken oftmals schon in den Wochen zuvor einen höheren Traffic und können Kunden zum Zeitpunkt der sogenannten „Lead-In-Phase“ mit gezielten Werbemaßnahmen erreichen.

2. Prime Day

Wie bereits erwähnt ist der Amazon Prime Day eines der umsatzstärksten Online-Shopping-Events weltweit. Traffic und Umsatz sind seit dem ersten Prime Day 2015 kontinuierlich gestiegen – allein von 7,16 Mrd. USD in 2019 auf 11,19 Mrd. USD in 2021. Auch 2022 wird mit einem weiteren Rekord gerechnet. Viele Prime Kunden registrieren sich extra im Vorfeld des Events oder nutzen den kostenlosen 30-tägigen Probezeitraum für Prime, um von den vielen Angeboten und Rabatten zu profitieren. Bedeutet für die Verkäufer: Vorbereitung ist alles! Retail-Readiness, der Gewinn der BuyBox und ausreichend Ware im Lager sind ein absolutes Muss, um nicht unter Umsatzeinbußen zu leiden. Die Verkäufe haben Einfluss auf den Bestsellerrang (BSR) und die Rentabilität laufender PPC-Kampagnen. Darüber hinaus können Marken und Hersteller stark an ihrer Bekanntheit, dem Auf- oder Ausbau von Produkthistorien und der Kundenbindung arbeiten.

Amazon Prime Day Umsatz seit 2015 Statistik

Quelle: Digital Commerce 360

3. Prime Day Lead-Out-Phase

Auch nach dem Amazon Prime Day können sich Händler die sogenannte Lead-Out-Phase zunutze machen. Schneller Versand, eine reibungslose Rücknahme, freundlicher Kunden-Support und letztendlich die Zufriedenheit mit einem Produkt können Kunden langfristig an eine Marke binden. Daher ist es wichtig, auch nach dem Event genügend Ressourcen bereitzustellen, um Abläufe so reibungslos wie möglich zu gestalten. Sinnvoll ausgerichtete Werbemaßnahmen, vor allem Programmatic Advertising, erlauben ein gezieltes Retargeting der Kunden, die sich ein Produkt angeschaut und es ggf. sogar in den Warenkorb gelegt, letztendlich aber nicht gekauft haben. Auch PPC-Kampagnen sollten nicht unmittelbar nach dem Prime Day wieder eingestellt werden, da mit längerfristig gesammelten Daten aussagekräftigere Ergebnisse erzielt werden.

Wann findet der Amazon Prime Day statt?

Der erste Prime Day wurde zum 20-jährigen Jubiläum von Amazon am 15. Juli 2015 ausgerufen. Aufgrund des großen Erfolges hat sich Amazon entschieden, das Shopping-Event jährlich weiterzuführen. Bis 2019 fand der Amazon Prime Day an einem einzigen Tag statt, seitdem wurde er auf zwei Tage erweitert. Der Amazon Prime Day findet in der Regel Mitte des Jahres statt. Der genaue Zeitraum wird immer kurz vor dem eigentlichen Event bekanntgegeben. Auch 2022 wurde das Datum für den Amazon Prime Day erst knapp vier Wochen vor dem Termin, am 16. Juni, öffentlich kommuniziert.

Übersicht Amazon Prime Day:

  • 15. Juli 2015
  • 12. Juli 2016
  • 10. Juli 2017
  • 16. Juli 2018
  • 15. & 16. Juli 2019
  • 13. & 14. Oktober 2020
  • 21. & 22. Juni 2021
  • 12. & 13. Juli 2022

Verschiebung Amazon Prime Day 2020

2020 fand der Amazon Prime Day nicht wie gewöhnlich Mitte des Jahres statt, sondern im Oktober. Grund hierfür war die Corona-Pandemie und damit einhergehend Lieferengpässe und Produktionsschwierigkeiten. Auch um Mitarbeitende zu schützen und die Ausbreitung des Virus einzudämmen, entschied sich Amazon dazu, den Prime Day zu verschieben. Trotz andauernder Pandemie wurde das Event im Oktober 2020 nachgeholt.

Zahlen rund um den Amazon Prime Day

Um noch einmal hervorzuheben, welche Tragweite der Amazon-Prime-Day hat, haben wir hier einige Fakten und Zahlen zusammengetragen:

  1. Amazon verzeichnet mehr als 200 Millionen Prime-Mitglieder
  2.  Er findet in 20 Ländern weltweit statt und an 17 Ländern am selben Tag
  3. 47,14 USD geben Käufer durchschnittlich pro Bestellung aus
  4. Die beliebtesten Kategorien sind „Elektronik“ und „Beauty“
  5. Die am stärksten vertretende Personen-Gruppe am Prime Day sind Frauen
  6. 64 % der Konsumenten haben vor, an dem geplanten Amazon Prime Day teilzunehmen
  7. 96 % wären sogar daran interessiert, an einem zweiten Prime Day im Jahr teilzunehmen
  8. Die Anzahl der Amazon Prime Mitglieder stieg von 143 Millionen (2020) auf 200 Millionen (2021) an
  9.  27 % der 18- bis 24-jährigen planen an dem Amazon Prime Day elektronische Geräte zu kaufen
  10. Ein Drittel der Konsumenten bevorzugt den Prime Day im Juli

Quelle: 25+ Prime Day Sales Statistics

Ausblick

Ein Rekord-Event größer als Black Friday und Cyber Monday – der Amazon Prime Day lockt jedes Jahr mehr Kunden an. Statistiken der vergangenen Jahre zeigen, dass die besten Rabatte auf Amazons eigene Produkte wie Amazon Echo, Kindle oder Fire TV zu finden sind. Aber auch Seller und Vendoren profitieren von der hohen Aufmerksamkeit und dem enormen Traffic während der beiden Prime-Tage. Wir haben aufgezeigt, wie mit gut geplanten Maßnahmen und einer gezielten Vorbereitung das bestmögliche aus dem Amazon Prime Day herausgeholt werden kann. Sogar nach dem Prime Day (Lead-out-Phase) haben Händler die Möglichkeit, potenzielle Kunden über Retargeting-Maßnahmen zu identifizieren, Kunden an ihr Produkt bzw. ihre Marke zu binden und ihren Umsatz langfristig zu steigern.

Noch Fragen zu dem Thema? Die Experten der Amazon Agentur intomarkets helfen immer gern.