Amazon Showroom – Wie funktioniert das virtuelle Wohnzimmer?

Mit Amazon Showroom hat der E-Commerce-Riese ein neues Feature veröffentlicht, um das Shopping-Erlebnis auf dem Marketplace für seine Kunden zu verbessern. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine Art virtuelles Wohnzimmer, in das man ausgewählte Amazon Produkte stellen kann und so schon vor dem eigentlichen Kauf eine bessere Entscheidungshilfehat. Die Elemente werden dabei via Klick ausgetauscht und in einer virtuellen Wohnumgebung angezeigt.

Warum gibt es den Amazon Showroom?

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Dass der Onlinehandel generell für Güter des täglichen Lebens immer stärker wird und dem Einzelhandel das Leben schwer macht, ist kein Geheimnis. Amazon selbst spielt dabei in Europa und Amerika eine zunehmend wichtigere Rolle. Im Fokus steht hierbei die Kundenzufriedenheit und damit verbunden das Nutzererlebnis. Der Amazon Showroom passt daher genau in diese Strategie: Den Kunden im Kaufprozess noch besser abzuholen. Mit dem Onlineverkauf von Möbeln entstehen im Wesentlichen aus Sicht von Amazon zwei Probleme:

  1. Bei besonders großen und schweren Paketen kann Amazon Prime nicht erfüllt werden, da die Lieferzeiten zu lang ist und die Anlieferung selbst einen individuellen Kundentermin erfordert.
  2. Möbel sind (wiederum bedingt durch ihre Abmaße) nur schwer umtauschbar, was durch das Fernabsatzgesetz aber grundsätzlich zugesichert werden muss.

Beide Fakten stehen einem typisch skalierbaren Amazon-Business eher im Wege. Ebenfalls schwierig ist aus Endkundensicht der Fakt, dass man das Möbelstück vor dem Kauf nur schwer in Größe und Form abschätzen kann. In einem klassischen Möbelfachgeschäft kann man es wenigstens noch haptisch und damit auch grundsätzlich physisch erfahren. Beim Onlinekauf geht das nicht und genau da kommt der Amazon Showroom ins Spiel. Durch eine virtuelle Projektion und Kombination mit ähnlichen, eigenen Möbelstücken lässt sich für den Endkunden besser abschätzen, ob das ausgewählte Produkt besser in die eigenen vier Wände und zur eigenen Dekoration passt.

Was kann man mit Amazon Showroom kaufen, bzw. ausprobieren?

Derzeit (Stand September 2019) ist der Funktionsumfang von Amazon Showroom noch sehr eingeschränkt und die Bedienung zwar simpel, aber auch sehr banal umgesetzt. Derzeit können im Amazon Showroom sieben verschiedene Möbel, bzw. Dekoartikel ausgetauscht werden:

  • Couch / Sofa
  • Sessel / Stuhl
  • Couch-Tisch
  • Teppich
  • Stehlampe
  • Beistelltisch
  • Wandbild

Um ein Möbelstück im Amazon Showroom auszutauschen, muss lediglich das Objekt links im Bild angeklickt und rechts ein anderes Produkt ausgewählt werden. Amazon zeigt dabei immer schon eine Art Top-Liste an, welche man noch zusätzlich nach Kundenbewertungen, Preis, Material, Marke, Stil und Farbe filtern kann. Ein manuelles Suchen nach einem ganz bestimmten Produkt / einer ASIN im Amazon-Produktkatalog ist derzeit nicht möglich. Des Weiteren lassen sich im Showroom noch folgende Einstellung vornehmen / anpassen:

  • Wandfarbe ändern
  • Fußboden ändern

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Amazon bietet für beides insgesamt 10 verschiedene Farben, bzw. Materialien an, um das virtuelle Wohnzimmer ein bisschen an die eigene Wohnsituation anzugleichen. Ist das gesamte Setting mit Möbeln, Lampen, Deko, Wand- und Bodenfarbe fertig, kann der Raum zusätzlich gespeichert werden. Dazu muss man allerdings mit seinem Amazon Konto angemeldet sein.

Kritik am Amazon Showroom

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Grundsätzlich ist die Idee eines virtuellen Wohnzimmers clever und dürfte ganz im Sinne des Endkunden sein. Der Amazon Showroom ist in der derzeitigen Version jedoch maximal ein erster Schritt. Es lassen sich keine Perspektiven (wie z.B. bei Amazon AR) verändert oder Möbelstück weglassen, bzw. deren Position verändern. Auch der Raum hinsichtlich Quadratmeter, Deckenhöhe, Fenster und Türen lässt sich nicht individuell einstellen. Dazu kommt, dass die Auswahl der Möbelstücke selbst noch einigermaßen stark limitiert ist. So lässt sich derzeit maximal eine bestimmte Couch-Art (2-Sitzer) auswählen. Zudem vermisst man hier ein bisschen mehr Freiheit in Bezug auf Dekoartikel, die man bspw. mit Amazon Discover schön zusammenstellen kann.

Ganz nett ist die Funktion, dass man praktisch das gesamte Wohnzimmer so bestellen kann, wie man es sich zusammengeklickt hat. In der Praxis dürfte das allerdings kaum ein Kunde so nutzen.

Insgesamt ist der Amazon Showroom also eine nette Idee, aber noch stark ausbaufähig.